Liebe Mitglieder, Kund*innen und Freund*innen vom ÖkoEsel,
wir hatten es bereits angedeutet, wollten aber weder das alte Jahr so ausklingen lassen noch das neue mit einer solchen Nachricht beginnen. Und auch jetzt fällt es uns nicht leicht, aber es ist lei-der notwendig. Diese Ausgabe der EselPost ist anders als gewohnt. Sie beschäftigt sich mit der aktuellen Situation des ÖkoEsels – und mit der Frage, was es braucht, damit unser gemeinsamer Ort auch in Zukunft bestehen kann.
Überall verschwinden kleine Einzelhändler*innen. Besonders kleine Bio-Läden haben es immer schwerer: Steigende Kosten, wachsender Druck durch große Ketten, kaum Spielraum. Viele mussten in den letzten Jahren schließen, andere schreiben Verluste und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Auch der ÖkoEsel bleibt von diesen Entwicklungen nicht unberührt. Wir merken zunehmend, dass sich die Rahmenbedingungen verändern – wirtschaftlich wie gesellschaftlich.
Gleichzeitig sind wir mehr denn je davon überzeugt, wie wichtig Orte wie dieser sind. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen, Krisen und Ungleichheiten eher zu- als abnehmen, braucht es Räume, die Versorgung, Solidarität und Gemeinschaft praktisch erfahrbar machen. Der ÖkoEsel war für uns die letzten 10 Jahre dieser Ort – und soll es auch noch für viele Jahre bleiben. Damit das gelingt, müssen wir an ein paar Stellen gemeinsam nachjustieren. Ein erster Schritt ist die Anpassung der Selbsteinschätzung: Hier geht’s zum Formular.
Außerdem wiederholen wir unsere Kartoffelaktion mit Peter vom Obergrashof! Hier heißt es schnell sein, bis zum 10. Februar muss die Bestellung bei uns eingegangen sein.

In dieser EselPost
- Der ÖkoEsel: Ein starkes Projekt unter veränderten Bedingungen
- Das strukturelle Problem solidarischer Mitgliederläden
- Faire Löhne: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
- Unsere Maßnahmen
- Unser Blick nach vorn – Auf weitere 10 Jahre ÖkoEsel!
- Kartoffelaktion vom Obergrashof – schnell bestellen!
- Unsere Veranstaltungsreihe geht weiter
Der ÖkoEsel: Ein starkes Projekt unter veränderten Bedingungen
Der ÖkoEsel ist in den letzten Jahren stark gewachsen – nicht explosionsartig, sondern stetig. Heute versorgen wir rund 600 Mitglieder und ihre Haushalte mit nachhaltigen, bezahlbaren und gesunden Lebensmitteln, betreiben zwei Läden und gestalten einen Ort, der für viele mehr ist als nur ein Einkauf. Der ÖkoEsel ist ein Treffpunkt, ein sozialer Raum, ein Stück gelebte Solidarität im Alltag. Darauf sind wir stolz.

Gleichzeitig merken wir: Unter den heutigen Bedingungen wird es anspruchsvoller, dieses Modell dauerhaft stabil zu halten. Nicht, weil der ÖkoEsel gescheitert wäre – sondern weil sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren deutlich verändert haben. Unser Modell ist von Anfang an bewusst knapp kalkuliert. Mitglieder kaufen bei uns nahezu zum Einkaufspreis, mit sehr geringen Aufschlägen. Genau das macht den ÖkoEsel attraktiv und unterscheidet ihn vom klassischen Einzelhandel. Es bedeutet aber auch: Steigende Kosten schlagen bei uns schneller und direkter durch. Wachstum allein garantiert dabei keine Stabilität. Gerade der zweite Standort konnte lange Zeit nur durch Vorleistungen getragen werden. Die Situation hat sich zwar verbessert, und – im Gegensatz zu vielen anderen Läden – schreiben wir aktuell keine Verluste. Doch angesichts stark gestiegener Kosten reicht das allein nicht aus, um den ÖkoEsel langfristig wirklich abzusichern.
Dass wir heute viele Menschen erreichen, zeigt die Stärke des Projekts. Gleichzeitig wird deutlich: Unter den aktuellen Bedingungen braucht es zusätzliche Schritte, damit der ÖkoEsel auch in Zukunft auf einem tragfähigen Fundament steht.
Das strukturelle Problem solidarischer Mitgliederläden
In den letzten fünf Jahren sind die Preise für Lebensmittel in Deutschland massiv gestiegen – im Durchschnitt um rund 30 %. Auch Bio-Lebensmittel wurden teurer, wenn auch moderater. Im Gegensatz zum normalen Einzelhandel verdienen wir daran kaum mit, weil wir unsere Waren nahezu zum Einkaufspreis weitergeben. Darüber beklagen wir uns nicht, denn genau das ist der Kern unseres Konzepts. Doch genau hier liegt ein grundsätzliches Problem solidarischer Mitgliederläden: Während Preise, Mieten, Energie- und Personalkosten steigen, bleiben die Mitgliedsbeiträge zunächst gleich.
Solidarische Mitgliederläden funktionieren grundsätzlich anders als klassische Einzelhandelsbetriebe. Sie sind darauf angewiesen, dass viele Menschen das Modell gemeinsam tragen – nicht (nur) durch ihren Einkauf, sondern auch durch ihre Mitgliedschaft. Wenn diese gemeinsame Basis über längere Zeit nicht ausreichend wächst, geraten selbst gut laufende Läden unter Druck – auch dann, wenn es von außen betrachtet „voll“ wirkt.
Das bedeutet nicht, dass unser Konzept falsch ist. Im Gegenteil: Wir sind weiterhin überzeugt, dass solidarische Selbstorganisation, faire Preise und Selbsteinschätzung der richtige Weg sind. Aber veränderte Rahmenbedingungen machen Anpassungen notwendig, wenn dieses Modell auch langfristig funktionieren soll.
Faire Löhne: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Im Juni 2022 haben wir unser solidarisches Beitragsmodell, im Zuge der Krise und steigenden Kosten, auf Selbsteinschätzung umgestellt, da uns bewusst war, dass es für viele Menschen schwierig werden würde, sich weiterhin gesund und nachhaltig zu ernähren. Seitdem sind die Lebenshaltungskosten weiter stark gestiegen. Diese Entwicklung betrifft nicht nur unsere Mitglieder, sondern auch uns als Team ganz konkret in unserem eigenen Alltag.
Faire Löhne und ein solidarisches Beitragsmodell gehören für uns untrennbar zusammen. Beides ist Teil desselben Anspruchs. Versorgung sollte nicht auf Ausbeutung basieren – weder bei Produzent*innen noch bei den Menschen, die den Laden am Laufen halten. Solidarität bedeutet für uns, diesen Anspruch nicht nur nach außen zu formulieren, sondern ihn auch nach innen ernst zu nehmen.
Vor diesem Hintergrund haben wir uns – trotz der angespannten finanziellen Situation – entschieden, den Stundenlohn für uns alle auf 15 € brutto zu erhöhen. Das ist ein notwendiger Schritt, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten zumindest teilweise abzufedern.
Gleichzeitig ist uns klar: In einer Stadt wie München sind 15 € Stundenlohn eher eine Untergrenze als ein wirklich fairer Lohn. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung – aber noch kein Zielzustand.
Unsere Maßnahmen
Was heißt das alles nun konkret? Um den ÖkoEsel in eine sichere Zukunft zu führen, fehlen aktuell ca. 2.500 € monatlich. Eine erste Maßnahme ist die Erhöhung des vorgeschlagenen Beitrags auf 30 € im Monat (pro volljährige Person im Haushalt) für Neu-Mitglieder.
Für euch gibt es dennoch keine automatische Beitragserhöhung. Aber wir bitten euch dringend, eure Selbsteinschätzung neu durchzuspielen und – wenn möglich – euren Mitgliedsbeitrag anzupassen. Schon 5 € oder 10 € mehr machen in der Summe einen riesigen Unterschied.
Auf unserer Website und als Aushang im Laden findet ihr eine aktualisierte Beitragsempfehlung, orientiert am aktuellen Münchner Armutsbericht.
Euren Beitrag könnt ihr unkompliziert über unser Formular ändern – alternativ auch per Mail oder direkt im Laden.
Der Mitgliedsbeitrag ist keine Gebühr, sondern eine politische Entscheidung, denn es wird mit dem Beitrag mehr unterstützt als nur ein Bioladen. Solidarität funktioniert dann, wenn diejenigen, die mehr können, auch bereit sind, mehr zu tragen. Ein langfristiges Ungleichgewicht bringt das solidarische Prinzip an seine Grenzen.
Wie könnt ihr den ÖkoEsel darüber hinaus unterstützen?
- Neue Mitglieder gewinnen: Erzählt euren Freund*innen, Nachbar*innen und/oder Kolleg*innen vom ÖkoEsel.
- Sichtbarkeit erhöhen: Google-Bewertung (Neuhausen / Haidhausen), Instagram-Follow, Presse-Kontakte herstellen – persönliche Empfehlungen wirken stärker als jede offizielle Anfrage.
- Gebt uns Feedback! Was können wir tun, damit ihr euch noch wohler fühlt? Was fehlt euch noch beim ÖkoEsel? Die aktuelle Umfrage ist noch bis Ende Februar online.
Unser Blick nach vorn – Auf weitere 10 Jahre ÖkoEsel!
Wir haben den ÖkoEsel aufgebaut, weil wir nicht akzeptieren wollten, dass gute Lebensmittel ein Luxus sein müssen. Der ÖkoEsel ist mehr als ein Laden. Er ist ein Ort der Versorgung, der Begegnung und des sozialen Ausgleichs. Wir sind überzeugt: Solche Orte werden in den kommenden Jahren noch wichtiger. Und genau deshalb sagen wir: Jetzt erst recht.

Aber: Damit „anders“ weitergehen kann, müssen wir das Fundament stabilisieren. Nicht, indem wir den ÖkoEsel „marktförmiger“ machen oder unsere Grundidee verwässern – sondern indem wir klarer kommunizieren, was der ÖkoEsel ist, wie er funktioniert und was es braucht, damit sich dieses solidarische Modell langfristig tragen kann.
Deshalb möchten wir unter anderem künftig mehr Räume für Austausch schaffen. Wir planen regelmäßige offene Abende im Laden, bei denen Mitglieder und Interessierte Fragen stellen können, unser Konzept besser kennenlernen, Kritik äußern und gemeinsam mit uns darüber sprechen können, wie der ÖkoEsel auch in Zukunft funktionieren soll.
Die ersten Termine:
Mittwoch, den 25. Februar um 19:45 Uhr im ÖkoEsel Neuhausen
Donnerstag, den 26. Februar um 19:45 Uhr im ÖkoEsel Haidhausen
Wir werden alles dafür tun, dass der ÖkoEsel der Ort bleibt, der er für viele von euch bereits ist: Ein solidarischer Versorgungsraum, ein sozialer Treffpunkt, ein Ort jenseits von Profitlogik und Konsumzwang.
Am 4. Oktober 2026 feiern wir 10 Jahre ÖkoEsel. Unser Ziel ist klar: An diesem Tag wollen wir sagen können, dass wir gestärkt und zuversichtlich in die nächsten zehn Jahre blicken. Dafür brauchen wir euch. Gemeinsam. Solidarisch. Anders. Jetzt erst recht!
Zu guter Letzt:
Kartoffeln vom Obergrashof – schnell vorbestellen!
Wir wiederholen unsere Kartoffelaktion mit Peter vom Obergrashof! Weil die Ernte besonders üppig ausgefallen ist, können wir euch die Knollen zum Sonderpreis von nur 1,10 € pro Kilo anbieten. Bestellt werden kann in 5 kg-Schritten, abgefüllt in einer praktischen Mehrwegverpackung (3€ Pfand pro Kiste).
Kartoffeln sollten dunkel und kühl gelagert werden. Hinweis von Peter: Wenn sie mit der Zeit bei euch ein wenig zu keimen anfangen, ist das kein Problem – sie dürfen aber nicht grün werden.
Vorbestellende ist bereits der 10. Februar, abholbereit sind sie Kisten dann ab dem 12. Februar in Haidhausen und ab dem 13. Februar in Neuhausen – spätestens am Samstag müssen sie dann von euch abgeholt werden.
zur Kartoffelbestellung
Vortragsreihe: „Wer hat Platz in der Stadt von morgen?“ – Februar 2026
In diesem Monat geht unsere aktuelle Reihe zu Stadtentwicklung und soziale Gerechtigkeit weiter.
Freut euch am 9. Februar auf einen Vortrag von Dr. Annegret Haase zu „Anpassung und Ausgrenzung: Die klimaresiliente Stadt“ und am 23. Februar auf Prof. Nina Schuster und ihrem Input zu: „Gender in Beton: Wie Geschlechterverhältnisse Stadt formen“.
Kommt vorbei, diskutiert mit uns und lasst uns gemeinsam neue Perspektiven auf die Stadt von morgen entwickeln!
Beide Veranstaltungen jeweils am Montag um 19 Uhr im PATHOS theater am Leonrodplatz.
Mehr Infos unter: https://kritische-nachhaltigkeit.de


