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ÖkoEsel nimmt die Produkte von Zwergenwiese aus dem Sortiment

Wie einige bestimmt schon mitbekommen haben, werden wir im ÖkoEsel zukünftig keine Produkte mehr von Zwergenwiese oder Rapunzel im Sortiment führen. Joseph Wilhelm, der Geschäftsführer der genannten Hersteller, ist in den vergangenen Wochen nicht nur durch menschenverachtende Aussagen und durch die Verbreitung von Verschwörungstheorien in Bezug auf Covid-19 aufgefallen, sondern auch die Rezepte von Attila Hildmann wurden erst nach erneuter Kritik von der Unternehmensseite gelöscht. Darüber hinaus beschreibt er in seinen sogenannten Wochenendbotschaften das Virus als ein „intelligentes Wesen“, welches seine Aufgabe im „großen Spiel der Naturkräfte“ erfüllen würde. Solche Aussagen sind für uns nicht tragbar und wir haben uns daher zu dem Schritt entschlossen, die Produkte seiner Firmen nicht mehr im ÖkoEsel zu verkaufen.

Im Folgenden findet ihr eine kurze Einordnung mancher seiner Äußerungen.

Verbreitung von Verschwörungstheorien

In den Wochenendbotschaften stellt Wilhelm Verschwörungstheorien auf indem er entgegen der wissenschaftlichen Meinung die Gefährlichkeit des Virus infrage stellt, da gar nicht so viele Menschen gestorben seien, wie von den Politikern angedroht worden wäre. Dabei sei er zwar froh, dass es nicht so weit gekommen sei, führt aber aus:

„[…] hat eine Regierung nicht die weisesten und meist auch teuersten Berater, die ihr dabei behilflich sein sollten, angemessene Entscheidungen und Maßnahmen zu treffen. [sic!] Für das, was bisher schon angerichtet wurde und auch für das, was noch an materiellem Schaden und menschlichem Leid durch die unangemessenen Maßnahmen entstehen wird, gibt es keine Entschuldigung.“ (Wochenendbotschaft vom 20.04.20)

Woher, der selbsternannte Viren- und Politikexperte Wilhelm dies weiß, darüber lässt er seine Leser*Innen im Dunkeln. Fraglich sind solche Aussagen vor allem, da er explizit darauf hinweist, dass er sich keine Sendunge(n) zu dem Thema anschauen würde:

„[…], weil ich seit Beginn der C-Krise keine einzige Tagesschau, keine Sondersendung, angesehen habe. (Tu ich sonst ja auch nicht). Nicht mal mehr die Nachrichten meines Lieblingssenders im Radio kann ich noch ertragen, die unsäglichen Einspielungen von Durchhalteparolen, ja, wir halten zusammen, wir bleiben zuhause, wir schützen Leben – ich kann es nicht mehr ertragen.“ (Wochenendbotschaft vom 01.05.2020)

Hätte er lieber Verhältnisse in Deutschland wie in Italien, Frankreich, Spanien oder den USA? Die Tatsache, dass in italienischen, spanischen oder französischen Krankenhäusern die Patient*Innen aufgrund fehlender Betten auf den Intensivstationen teilweise nicht behandelt werden konnten, blendet Wilhelm auf jeden Fall bei seiner „Analyse“ aus, in welcher er kein Wort über die vielen Toten verliert:

„Jede und jeder von uns 7,8 Milliarden Menschen ist auf die eine oder andere Art und Weise von Corona betroffen, die einen mehr, die anderen weniger. Egal in welchem Land sie leben. Die einen sind eingesperrt, die anderen haben zu wenig zu tun, die anderen kommen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Noch andere merken fast gar nichts davon im realen Leben […].“ (Wochenendbotschaft vom 01.05.2020)

Dass ihm der Überblick über die mediale Berichterstattung fehlt, offenbart er weiter auch mit folgender Aussage:

„Dass da ein Präsident des Weltärzteverbandes öffentlich Zweifel am Maskentragen äußert – wie ungelegen. Aber dafür stehen ja de Armeen willfähriger Mainstream-Journalisten parat, um allfällige mutige Zweifler an dieser oder anderen Maßnahmen mit dem Damoklesschwert der Angst und des Todes mundtot zu machen, bevor solche Botschaften irgendwo angekommen sind.“ (Wochenendbotschaft vom 24.04.2020)

Dabei wurde allerdings ausgerechnet die Kritik an der Maskenpflicht von Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery in den deutschen Medien ausführlich wiedergegeben. (https://taz.de/Maskenpflicht-in-Deutschland/!5678313/)

Hinter der, von Politikern und Journalisten, angeblich geschürten Angst würden nach Wilhelm kommerzielle Interessen stecken und in diesem Zusammenhang vergleicht er gar den Schutz alter Menschen mit Abtreibungen:

„Dass wir vor allem in ‚modernen‘ Gesellschaften mit rund 12 Millionen offiziellen Abtreibungen Leben verhindern, wird gleichzeitig als Errungenschaft dargestellt. Was macht den Unterschied zwischen Leben, das sich verabschieden will und Leben, das kommen will?“ (Wochenendbotschaft vom 20.04.2020)

Des Weiteren schürt er die Angst vor einer angeblichen Impf-Plicht für „unsere Rasse“:

„Dann bekommt man halt einfach eine Spritze verabreicht. Ich seh schon vor meinem geistigen Auge Jagdkommandos, die widerstrebige Impfgegner einfangen und zwangsimpfen, um so das Überleben unserer Rasse sicherzustellen.“ (24.04.2020)

Nicht nur mit dieser Aussage bewegt er sich in der Nähe der derzeit stattfindenden – und von uns bereits kritisierten – „Hygiene-Demos“.

Vergleich zum Nationalsozialismus

Wie auch viele der sogenannten „Corona-Rebellen“ bemüht auch Wilhelm den Vergleich mit dem Nationalsozialismus:

„Ja, wir leben in merkwürdigen Zeiten und zum Denunziantentum wird öffentlich aufgefordert. Darüber und über Vergleiche zu düsteren Zeiten deutscher Geschichte hatten wir es bei unserem Abendessen, zu dem wir gestern Abend bei dem Freund und seiner Frau eingeladen waren.“ [sic!] (Wochenendbotschaft vom 24.04.2020)

Und weiter heißt es:

„[…] steht uns in Bayern ab Montag Übles bevor: Maskenpflicht in allen Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr. Da spüre ich eine massive Wut in mir aufkommen. Masken=Maulkorb=Unterwerfung. Für mich stellt das Tragen von Masken die höchste Form von Demütigung dar.“ (Wochenendbotschaft vom 24.04.2020)

In den „dunklen Zeiten deutscher Geschichte“ wurden unter anderem Juden*Innen mit dem Tragen des Judensterns gedemütigt. Wilhelm stellt im Vergleich zur NS-Zeit das Tragen von Masken während des Einkaufens oder in öffentlichen Verkehrsmitteln als die größte für ihn vorstellbare Demütigung dar. Ein solcher Vergleich, zwischen dem Tragen und Sinn einer Maske mit den Zeiten des Nationalsozialismus in denen denunziert zu werden, für viele gleichbedeutend mit dem Tod gewesen ist, stellt dabei auch eine Relativierung der damaligen Verbrechen dar.

Sozialdarwinismus

Besonders kritisch sehen wir aber die Nähe mancher seiner Aussagen zum Sozialdarwinismus. So sei Wilhelm „voller Vertrauen in die Weisheit des Lebens und von „Mutter Erde“, dass genau das passiert, was uns Menschen zur weiteren Entwicklung dienlich ist“ (Wochenendbotschaft vom 24.04.2020). In diesem Zusammenhang beschreibt er Viren als „Teil des biologischen Lebens auf unserer Erde“ und dass diese einen „Beitrag zur Weiterentwicklung desselbigen und der menschlichen Anatomie und Psyche“ leisten würden. So heißt es weiter:

„Viren gibt es seit Anbeginn des Lebens auf Erden und sie leisten ihren Beitrag dazu, dass sich dieses über die Jahrmillionen weiterentwickelt hat und weiter entwickeln wird. Viren sind höchst intelligente ‚Wesen‘ und erfüllen ihre Aufgabe genau so, wie sie sie zu erfüllen haben im großen Zusammenspiel der Naturkräfte.“ (Wochenendbotschaft vom 24.04.2020)

Solche Aussagen beinhalten Positionen und Vorstellungen, in denen es für einen natürlichen und evolutionär hilfreichen Vorgang gehalten wird, wenn Menschen beispielsweise durch Krankheiten „natürlich ausgelesen“ bzw. selektiert werden.

Wir können es mit unserem sozialen wie politischen Anspruch nicht vertreten, mit dem Anbieten seiner Produkte eine so krude und gefährliche Sicht auf die Welt auch nur ansatzweise zu unterstützen!

Die folgende Reaktion auf die, in verschiedenen Medien geäußerte, Kritik war in unseren Augen ebenfalls ungenügend und hat die vorangegangene Kritik eher bestätigt als relativiert. Es wurden zwar die Rezepte von Hildmann sowie die Wochenendbotschaften gelöscht, allerdings wurde dabei in Bezug auf den Inhalt der Wochenendbotschaften weder Kritik angenommen noch Fehler eingestanden. Stattdessen beklagte Wilhelm in der Augsburger Allgemeinen Zeitung:

„Man darf heute nichts Kritisches mehr sagen, ohne niedergemacht und die rechte Ecke gestellt zu werden. […] Leider wurden meine Aussagen in den Social-Media-Kanälen aus dem Zusammenhang gerissen und dabei reduziert und verfälscht wiedergegeben.“ https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Nach-Gefangenen-Vergleich-Bioladen-Chef-rudert-zurueck-id57410911.html

Dass Wilhelms Zitate keinesfalls aus dem Zusammenhang gerissen worden sind, dies konnte bis zu deren Löschung in den Wochenendbotschaften nachgelesen werden – bei Bedarf können diese noch bei uns im Laden im Ganzen gelesen werden. Dabei sollte auch nicht vergessen werden, dass es sich bei Joseph Wilhelm um einen seit Jahrzehnten erfolgreichen Unternehmer handelt, der weiß wie Marketing und PR funktioniert. Wir glauben nicht, dass solche Aussagen (zumal wiederholt) unbewusst rausrutschen bzw. ihm selbst nicht bewusst wäre, was eben solche beinhalten. Ganz im Gegenteil: Sie sind ernst zu nehmen!


Artikel und Einordnung in der TAZ: https://taz.de/Chef-der-Biomarke-Rapunzel-zu-Corona/!5683866/

Was ist Sozialdarwinismus? https://www.sueddeutsche.de/wissen/200-jahre-darwin-28-von-darwin-zum-rassenwahn-1.141257

12 Gedanken zu „ÖkoEsel nimmt die Produkte von Zwergenwiese aus dem Sortiment

  1. Sehr gut – Haltung zeigen und aufklären

  2. Sehr gut! Ich bevorzüge den Begriff „Verschwörungideologien“, das „Theorien“ sich durch Fakten und Beweise widerlegen ließen, was hier nicht der fall ist. Hier wird es genauer erklärt: https://www.belltower.news/kommentar-wie-berichten-ueber-verschwoerungsdemonstrationen-99243/

  3. Die Entscheidung paßt zum Namen des Ladens

  4. Wie bitte?! Herausnehmen von Produkten aus dem Sortiment wegen kritischer Menschen? Wer ist ein Verschwörungstheoretiker?! Erinnert mich an dunkle Zeiten. Schämt Euch!

  5. Vielen Dank für die umfassende Darstellung. Mir war das völlig neu. Schade dass ich ab jetzt keine Rapunzel-Produkte mehr kaufen kann.

  6. Danke, ich hoffe dass noch mehrere Firmen Ihnen folgen

  7. Alles, was unter ›Verbreitung von Verschwörungstheorien‹ steht kann ich zu fast 100% unterschreiben.
    Gegenteilige Wissenschaftler- und Professorenmeinungen werden in ›den Medien‹ generell einfach nicht zur Diskussion gestellt. Das ist eine Art Stockholm-Syndrom: Die Vorstellung, dass bei der Corona-Krise einiges falsch und überflüssig war, lässt die meisten Menschen hoffen, dass es eben nicht falsch und überflüssig war – und lässt sie deswegen mit der Handlungsweise der Regierenden/Behörden sympathisieren.

  8. Danke für die ausführliche Erläuterung mit belegten Zitaten. Diese Äußerungen sind nicht „uuups, rausgerutscht“. Dahinter steckt eine krude und gefährliche Weltsicht.

  9. Super! Viel Erfolg weiterhin.

  10. Vielen Dank dafür, dass ihr die Konsequenzen gezogen habt aus dem Mist, denn der Rapunzelboss von sich gegeben hat (abgesehen davon, dass solche Wochenbotschaften schon per se von beträchtlichem Narzißmus zeugen). So notwendig es ist, die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion umzustellen auf eine umweltverträgliche Bewirtschaftung und so lobenswert die Arbeit mancher Pioniere und Pionierinnen ist, so bedenklich sind doch die Welt- und Menschenbilder, die dahinter stecken. Denken wir an die Anthroposophie mit ihrem Hokuspokus aus Hellseherei, Antisemitismus und Rassismus. Die Äußerungen von Wilhelm sollten Anlass sein, sich damit kritisch auseinanderzusetzen. Im übrigen gilt für die gesamte Ökobranche, dass sie in einer kapitalistischen Ökonomie operieren muss und sich entsprechend verhält, sogar bis hin zur Feindschaft gegenüber Betriebsräten. Ceterum censeo: Auch diese Branche muss vergesellschaftet werden zugunsten einer ökosozialistischen Räterepublik.

  11. vielen Dank für diese Infos, ich wußte auch nichts von den unsäglichen Aussagen und Ansichten den Rapunzel-Chefs. Das hat nichts mit „Kritik“ zu tun, wie ein Kommentator vor mir anmerkte. Man darf durchaus Kritik üben, wenn man sich sachlich mit Argumenten auseinadersetzt und nicht nachweislich Falschnachrichten verbreitet. Und wenn man Kritik übt, man muss dann auch selbst Kritik, Widerspruch und Richtigstellung von falschen Aussagen akzeptieren.

  12. Danke dafür.
    „Öko“ und „Bio“ darf nicht zum Livestyle von Leuten nach dem Motto „Ich-fahre-mit-dem-SUV-zum-Bioladen-sonst-interessiert-mich-nichts“ verkommen, sondern sollte auch politisch/gesellschaftlich Position beziehen.

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